Bürgermeister Helmut Muhr (2. v. links) und Stadtkämmerer Richard Kellner (3. v. links) informierten Christian Flisek Quelle: www.regio-aktuell24.de
Mit Geldern der Europäischen Union wurde drei Jahre lang das Bahnhofsgebäude in der Grafenstadt umgebaut. 950.000 Euro kostete diese Maßnahme. Heute ist in diesem rot getünchtem Haus im Erdgeschoss ein Bistro und im ersten Stock ein Info-Center des Naturparks Bayerischer Wald beheimatet. Am Samstag machte sich eine Delegation um Reinhold Perlak, MdL und dem SPD-Kandidaten für die Europawahl Christian Flisek ein Bild vor Ort, ließen sich von zweitem Bürgermeister Helmut Muhr und Stadtkämmerer Richard Kellner über die Entwicklung und die Akzeptanz des "neuen Bahnhofs" informieren.
Nahezu im Stundentakt verkehrt die Regionalbahn zwischen den Bahnhöfen Straubing und Bogen. Leer fährt dieser Zug nie. Vielmehr hat sich dieses Verkehrsmittel im Öffentlich Nahverkehr seinen festen Platz gefunden - sowohl bei Pendlern, die beruflich unterwegs sind, als auch bei Reisenden, die zum Einkaufen oder Ausgehen in die Gäubodenstadt, nach Regensburg, Passau oder München wollen. Bei kaum registrierten Verspätungen und einem Preis für die Einzelkarte Bogen-Straubing für 1,90 Euro sicherlich eine interessante Alternative zum eigenen Fahrzeug oder gar zum Taxi.
Die Bahnlinie führte früher über Mitterfels bis nach Miltach im Bayerischen Wald. Doch die Deutsche Bahn hat im Zuge ihrer groß angelegten Streckenminimierung auch hier den Rotstift in aller Deutlichkeit angesetzt. "Nur durch die Initiative aller politisch Verantwortlicher in der Region ist zumindest die Verbindung bis Bogen erhalten geblieben", erinnerte am Samstag zweiter Bürgermeister Helmut Muhr. Und dabei stand es wahrlich nicht gut um diese Strecke.
Was aber die Deutsche Bahn nicht mehr aufrecht halten wollte, war der Betrieb im Bahnhofgebäude. Es stand daher zum Verkauf an. "Im Herbst 2004 hatte sich daher die Stadt dazu entschlossen, das Gebäude zu erwerben", berichtete Muhr weiter, wobei noch nicht ganz klar war, welchen Zweck der "Bahnhof" zukünftig erfüllen sollte. Inzwischen wurde nicht nur ein Konzept gefunden, sondern dieses auch umgesetzt.
Mit Fördermittel aus dem Schnittstellenprogramm des Freistaates und des Leader+-Programms der Europäischen Union (EU) wurde auf dem Gelände ein Busbahnhof mit einer Park&Ride-Anlage geschaffen. Im Bahnhofsgebäude lädt im Erdgeschoss ein Bistro nicht nur Reisende zum Verweilen ein.
Stolz ist Helmut Muhr ganz besonders darauf, dass es gelungen sei, ein Info-Center des Naturparks Bayerischer Wald im ersten Stock des Gebäudes einzurichten. "In dieser ganztägig zugängigen Anlaufstelle für alle, die sich über den Bayerischen Wald und den Freizeitmöglichkeiten informieren wollen, finden hier eine Vielzahl von Anregungen", weiß Muhr und Kellner ergänzt: "In den Sommermonaten passieren täglich rund 300 Radler die Grafenstadt und machen am Bahnhof Zwischenstation."
Bogen - als "Tor zum Bayerischen Wald" - ist auch nach Auffassung des SPD-Landtagsabgeordneten Reinhold Perlak der passende Standort für ein solches Info-Center. "Doch billig war dieser Umbau nicht", warf Stadtkämmerer Richard Kellner ein. Insgesamt verschlang der Gebäudeumbau und die Vorplatzumgestaltung 950.000 Euro. Nach Abzug aller Fördermittel war die Stadt selbst noch mit rund 60 Prozent an der Finanzierung beteiligt. Kritik führte Kellner an, weil das Prozedure um diese Förderprogramme erst dieser Tage abgeschlossen werden konnte.
Hier stimmte ihm der Passauer Rechtsanwalt und SPD-Europawahl-Kandidat Christian Flisek zu. Wobei hinzu käme, dass viele Informationen über EU-Fördermöglichkeiten nicht bis zu den Kommunen einzelnen Kommunen vordringen würden, sondern bei den Ländern, insbesondere beim Freistaat Bayern, hängen blieben. "Deshalb werden zu wenig Möglichkeiten, an EU-Gelder zu kommen, genutzt", kritisierte Flisek. Es sei daher für ihn mit ein Anliegen, mehr Transparenz in die Programm-Abwicklung zu bringen. Wörtlich sagte er: "Ich möchte für ein Europa arbeiten, dass mehr bietet, als nur Konsumchancen auf liberalisierten Märkten." Die Finanzmarktkrise habe für ihn deutlich gemacht, dass auch im 21. Jahrhundert auf starke staatliche und demokratisch kontrollierte Institutionen nicht verzichtet werden können. Doch die Informationen aus Brüssel und Straßburg müssen intensiviert werden.
Eine stärkere Einbindung der Kommunen in die EU-Entscheidungen ist nach Ansicht von Reinhold Perlak und der Landtags-SPD überfällig. Der Vertrag von Lissabon bringe hier deutliche Fortschritte mit einer stärkeren Betonung der Subsidiarität, unterstützte ihn der SPD-Europakandidat Christian Flisek. Dieser vermisse zum Beispiel eine EU-Richtlinie, die den Kommunen genügend Freiheiten im Bereich der allgemeinen Daseinsvorsorge lasse.